Ihr Lieben, es wird heute mal wieder ein wenig länger – und persönlicher. Es geht nur  ein wenig, um das Genähte auf den Bildern. Wenn euch das interessiert, die Infos dazu findet ihr ganz unten. Zuerst möchte ich euch aber etwas anderes erzählen:

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Vor ein paar Nächten, um 0:30 Uhr bei Familie K. Ich liege im Bett und schlafe – aber sehr leicht, denn ich höre Taps, Taps, Schritte auf der Treppe. Dann bewegt sich das Bett und der Kleine kommt zu mir gekrabbelt. „Mamaaa“, flüstert er, „darf ich bei dir schlafen?“ „Ja klar, aber bitte, wir schlafen ganz schnell wieder ein, ja, ich bin nämlich müde.“ „Jaha“ – kommt es aus der Besucherritze.

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Die letzen Nächte waren anstrengend. Beide Kinder waren krank, mit hohem Fieber. Das Fieber steigt natürlich nachts, so dass wir dann Saft geben, nach dem Schwitzen Klamotten wechseln, Trinken ans Bett bringen und trösten. Das schlaucht. „Aber jetzt sollte es rum sein,“ denke ich. Da schnuffelt der Kleine neben wir. „Hmm, immer noch Schnupfen?“ Dann fängt er an, auf diese eine bestimmte Art zu atmen. So etwas zwischen Schnaufen und leisem Röcheln und ich weiß – er hat schon wieder Fieber.

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Also aufstehen, Kind nach oben tragen, Fieber messen, Saft verabreichen… und dann, nach gefühlten Stunden, wieder runter ins eigene Bett. Spätestens jetzt weiß ich, ich werde die nächsten Stunden wieder nicht schlafen. Ich bin müde, aber ich kann nicht, weil sich 1000 Gedanken in meinem Kopf tummeln und Karussell fahren. Ungefähr so: „Jetzt hat der arme Kerl schon wieder Fieber, dass muss doch mal rum sein“ – „Aber du warst fast die komplette letzte Woche schon zu Hause; du musst wieder arbeiten. Du kannst doch jetzt nicht schon wieder Kindkrank machen“. „Aber eine Mutter muss bei ihrem kranken Kind bleiben, was bist du für eine Mutter, das du dir jetzt gerade mehr Sorgen um die Arbeit machst“. So vergehen 30 Minuten, dann höre ich von oben „Mamaaaaa“ – und  ich gehe nachsehen – das Wasserglas ist leer.

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Kurz darauf liege ich wieder im Bett, furchtbar müde. Und weiter geht es: „Du müsstest mal wieder einen Blogbeitrag schreiben – du wolltest doch 2018 eigentlich jede Woche einen machen – jetzt hast du für diese Woche wieder nichts“ –  „Ach ist doch auch egal, ich bin so müde, ich will schlafen“.  „Ja und wie willst du dann jemals deinen Blog vorantreiben  … schreib doch über deine schlaflosen Nächte!“ „Was heißt hier Blog vorantreiben, du hast doch erst im Dezember den neuen Job angefangen, du bist noch in der Probezeit und jetzt sind seit zwei Wochen die Kinder ständig krank. Mach dir lieber darüber deine Gedanken!“

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Es hört einfach nicht auf, ich hätte gerne einen Ausschalter für meinen Kopf.
Neben mir liegt der Mann und schläft. Kurz überlege ich, ob ich ihn nicht wecken soll; warum soll ich hier bitte allein mit meinen nervtötenden Gedanken liegen – aber er ist auch so müde. Und er arbeitet mehr als ich, hat mehr Stress jeden Tag. Wir haben schließlich zusammen die Entscheidung getroffen, dass ich in nächster Zukunft weniger arbeite, dafür in meinem absoluten Traumjob – und die finanziellen Einbußen muss er nun kompensieren. Also braucht er seinen Schlaf sogar ein bisschen mehr.

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Schlaf … Schlaf – oh, vielleicht klappt es jetzt doch mit dem einschlafen….

Taps, Taps, Schritte auf der Treppe: „Mama? Mama bist du wach? Ich brauche einen neuen Schlafanzug“. Mittlerweile ist es 2:30 Uhr. Ich stehe wieder auf, wechsle einen Schlafanzug, messe Fieber, tröste. Um 3:00 Uhr bin ich wieder im Bett und versuche einzuschlafen. Und versuche nicht zu denken…

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Kennt ihr das? Manchmal habe ich das Gefühl, 100 Prozent von mir sind immer noch zu wenig. Ich kann nicht 100 Prozent Mutter sein. Und nicht 100 Prozent Angestellte. Und mit 100 Prozent Bloggen funktioniert auch nicht. Aber mal ehrlich, alles nur auf Sparflamme, das mag ich auch nicht. Ich glaube deswegen nähe ich so gern. In meiner Nähzeit nehme ich mir wirklich 100 Prozent Zeit nur für diese eine Sache. Ich gehe an meinen Tisch, sage Bescheid, dass ich jetzt nicht zur Verfügung stehe – und schicke, wenn nötig auch jeden weg, der mich dann stört. Ich bin dann ganz bei dieser einen Sache. Fokussiert. Konzentriert. Glücklich. Ich hadere nicht mit mir. Wenn mir etwas nicht gleich gelingt, zweifle  ich nicht an mir. Ich trenne – und versuche es noch mal. Und auch noch mal und noch mal, wenn es sein muss. Ich kann aber auch damit leben, wenn etwas nur zu 95 Prozent gut ist. Das genügt mir auch. Im Endergebnis stecken nämlich immer 100 Prozent von mir, meiner Zeit und meinerLeidenschaft.

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Mittlerweile habe ich ja begriffen: Es wird nie funktionieren, in allen Bereichen gleichzeitig 100 Prozent zu geben. Was ich schaffen kann ist, mich immer nur auf einen Bereich zu konzentrieren und dann in dem Moment alles zu geben. Darin bin ich mittlerweile auch schon ganz gut geworden. Nur wenn manchmal alles drunter und drüber geht, Kinder krank sind, Arbeit liegen bleibt und dann mein Mann noch beruflich stark eingespannt ist, dann schaffe ich es noch nicht, diese innere Ruhe reinzubringen. Dann schlafe ich schlecht, dann werde ich unkonzentriert und ungeduldig. Und dann frage ich mich wieder, warum 100 Prozent nie genug sind. Dabei weiß ich doch eigentlich,  zumindest ich bin immer zu 100 Prozent ich. 

Wie ist das bei euch? Wie geht ihr mit euren eigenen Ressourcen um, wenn die Zeiten stressiger sind? Wie handhabt ihr das ständig schlechte Gewissen? Ich bin mir sicher, es geht mir nicht nur so, weil ich zwei Kinder habe und arbeite. Auch die unter euch, die keine Kinder haben oder Kinder haben, aber nicht arbeiten, kennen viele dieser Gedanken bestimmt, oder? Meint ihr, es reicht, die Ansprüche an sich herunterzuschrauben? Oder ist es damit nicht getan?

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Das war jetzt ein ganz schön langer Text, ich hoffe ihr seid dabei geblieben. Hier die versprochenen Infos zu dem Kleid und den Bildern:

Zu den Bildern: entstanden sind sie beim Nähwochenende in Possenhofen, Ich trage darauf ein Piedra Dress von Seamwork, dass ich vorne und hinten mit einer Mittelnaht versehen habe. Dringend notwendig wäre bei diesem Schnitt eine Hohlkreuzanpassung, das muss ich mir beim nächsten mal genauer anschauen. Und etwas zu kurz ist es mir geraten. Mit Leggings oder Treggings kann ich es gut tragen. Mit den Strumpfhosen auf den Bildern, ist es mir ehrlich gesagt zu kurz. 

 

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Liebste Grüße, passt auf euch auf, 

Steffi

Verlinkt bei: RUMS

3 Gedanken zu “100 Prozent

  1. Tolles Kleid, steht dir auch toll. Ich hab ja schon mal an anderer Stelle von eurem Nähtreff gelesen und wurde ganz neidisch 😉
    Ich kenne deine Gedankengänge ganz genau, zum Glück sind meine Kinder schon nicht mehr so klein bzw. meist relativ abwehrstark. Ich wünsche dir, dass du auch mal die 100% wegschieben kannst, denn die finde ich gefährlich. Wenn das Leben so spielt, dann verschiebe die Blog Geschichte, bis es wieder läuft (wobei ich dann wohl nicht deinen Artikel gefunden hätte 😉
    Nimm Dir zu 100% vor dich nicht zu zerreißen, der Rest kommt vielleicht von allein…

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